Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Wer nur am Ufer schwimmt, gelangt nie zu wahrer Tiefe. für April, 2007.
23.4.2007 von Dr. Jan Hachenberger.
Was musste ich heute in der Financial Times Deutschland lesen: „Lieber der Reihe nach.“ So lautet die Überschrift zu einem Artikel, dessen Kernaussage mich schmunzeln lässt. Microsoft forscht wieder an einer Lösung für die großen Probleme unserer Zeit. Doch für dieses Problem ist Microsoft in gewisser Weise selbst verantwortlich. Es geht nämlich um das zuviel an Information und Kommunikation.
Hier ein Zitat: „E-Mails, Internet und Telefonanrufe ringen um die Aufmerksamkeit des Nutzers, Geräte machen durch Blinken, Vibrieren und Fiepsen auf sich aufmerksam und verleiten dazu, vieles gleichzeitig und nichts richtig zu erledigen. Es geht um Nerven - und um viel Geld. Die New Yorker Beratungsfirma Basex hat nach einer Befragung von Managern hochgerechnet, dass der amerikanischen Volkswirtschaft durch derartige Unterbrechungen jährlich 588 Mrd. $ verloren gehen.“
Hat jemand schon mal in diesem Zusammenhang bei Microsoft eine Schadensersatzklage eingereicht? Kleine Anekdote am Rande. Man kann in Outlook das Eingehen einer neuen E-Mail mit einem Sound verbinden. Einer meiner Kollegen hat als Signal „Windows XP-kritischer Fehler.wav“ eingestellt (findet man unter \Windows\Media), und das in einer Lautstärke, die das Signal bis auf die Herrentoilette vordringen lässt. Zum Glück sitz ich mit dem Kollegen nicht im gleichen Büro und auch nicht auf der gleichen Etage.
Doch weiter im Text. Nun soll eine intelligente Microsoft Software (Oxymoron?), die sich in verschiedene Kommunikationsinstrumente integrieren lässt (noch in der Entwicklung), erkennen, ob der Inhalt einer Nachricht wichtig (siehe Bozo-Filter im letzten Post) oder ob der Empfänger der Nachricht gerade aufnahmefähig ist, also nicht in ein Gespräch verwickelt ist oder andere wichtige Dinge zu tun hat. Nur, wenn die eben genannten Bedingungen erfüllt sind, wird die Nachricht übermittelt. Toll! Leider gibt es bei der FTD nicht die Möglichkeit, direkt zu kommentieren, doch das Erste was mir dazu einfiel war: Warum schaltet man das Handy nicht einfach aus oder beendet Outlook – zumindest für ein paar Stunden – oder, oder, … Sofort wäre man vor potenziellen „Angriffen“ geschützt.
Aber nein, der moderne Mensch fühlt sich erst lebendig und wichtig, wenn es um ihn herum blinkt, vibriert und fiepst und all diese Signale ihm gelten. Das macht ihn zum Teil des Ganzen. Bloß nicht den Anschluss verlieren, immer erreichbar. Kennen Sie die Grundprinzipien des Zeit- oder besser Selbstmanagements?
Hier die Eisenhower-Methode: Alle Aufgaben werden anhand der Kriterien wichtig / unwichtig und dringend / nicht dringend in vier Quadranten verteilt. Alle Aufgaben im Quadrant unwichtig / nicht dringend werden nicht erledigt.
Es ergeben sich vier Kombinationsmöglichkeiten der Faktoren Wichtigkeit und Dringlichkeit, deren Aufgaben jeweils eine bestimmte Art und Weise der Bearbeitung zugeordnet wird (s. Tabelle bei Wikipedia).
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