Archive für November 2006

Von Jägern und Sammlern


Liebe Leser,

Menschen gelten als Krönung der Evolution (Bildquelle: unbekannt) . Gleichwohl haben sie viele Eigenschaften ihrer genetischen Vorfahren bis heute nicht abgelegt. Wir haben als Jäger und Sammler begonnen, wichtige Dinge für Zeiten des Mangels einzulagern. Das steckt uns im wahrsten Sinne im Blut, wir können es einfach nicht lassen. Frauen sammeln Schuhe, Männer Briefmarken oder Bierdeckel. Gut, Vorsorge oder Existenzsicherung spielt hierbei sicherlich eine untergeordnete Rolle.

Aber auch Unternehmen - i.d.R. eine organisierte Menschenmenge - sammeln, ja horten völlig undifferenziert seiten- bzw. megabyteweise Informationen, vom Speiseplan bis hin zu gesetzlichen Vorgaben. ‘Man weiß ja nie, vielleicht wird diese Information noch einmal benötigt.’ All diese Informationsmüllhalden wurden in den letzten Jahren auch noch elektronifiziert (aus Schrankware wird Software) und finden sich heute in den Intranets der Unternehmen wieder. Mitarbeiter, die nach einer konkreten Problemlösung suchen, werden von der Fülle der Treffer erschlagen, regelrecht zugemüllt.

Wer hätte da nicht gerne eine Filterfunktion mit dem Namen “Orakel von Delphi“. Immer die richtige Weissagung. Was man da an Zeit und damit Geld sparen könnte (ca.

40 % - 60 % der Arbeitszeit entfallen auf die Suche nach Informationen)?! Heute stehen Anbieter von Suchalgortihmen und semantischen Technologien (semantic web oder web 2.0 lässt grüßen) in der Tür und verkünden die frohe Botschaft: “Ihr Unternehmen braucht nur das richtige Tool - Arbeitstitel: “Orakel Light”. Damit sehen sie das Wichtige immer zuerst - es ist nur noch einen Mausklick entfernt. Der Rest wird ‘nach hinten’ priorisiert, ungefähr auf die Seiten 10 ff ihrer Suchergebnisanzeige.” Ja, aber wer entscheidet, welche Informationen für ein Unternehmen wichtig sind? Kunden, Mitarbeiter, das Management oder vielleicht Softwaredienstleister? Und warum wird weniger wichtige oder besser unwichtige Information überhaupt zugänglich gemacht bzw. (elektronisch) archiviert? Gut, auch Hersteller von Festplatten wollen Geld verdienen.


“Unter dem Druck neuer Informationstechnologien neigt man dazu, alle Probleme als Probleme des Nichtwissens zu deuten. Doch Sinnfragen lassen sich nicht mit Informationen beantworten. Karl Weick schreibt ‘das Problem ist Verwirrung, nicht Nichtwissen’” (zit. nach Bolz 2002, S. 205)

Dieses Zitat, welches ich in dem Buch “Neuorientierung des Wissensmanagements” von Howaldt, Klatt und Kopp gefunden habe, soll in den nächsten Wochen Ausgangspunkt für einen Exkurs zum Thema “vom Suchen zum Finden - Wissensmanagement 2.0″ sein.

Ich lade Sie herzlich ein, sich mit Kommentaren und Beiträgen an der z.T. ironischen jedoch zugleich kritischen Diskussion zu beteiligen.

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